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Südkoreanische Wissenschaftler entwickeln Stammzellen aus geklonten menschlichen Embryos


12.02.2003 / Seoul/Südkorea


Südkoreanische Wissenschaftler haben menschliche Embryos geklont und diesen Stammzellen entnommen. Das Experiment sei gelungen, weil das Team äusserst junge Eizellen von südkoreanischen Freiwilligen entnommen und das genetische Material mit grösster Vorsicht behandelt habe, erklärten die Forscher der Nationalen Universität in Seoul.

Die Wissenschaftler entnahmen 16 Frauen 242 Eizellen. Jede Frau spendete ausserdem einige Zellen ihrer Eierstöcke. Wie beim Klonen von Tieren entfernten die Forscher dann den Zellkern der Eizellen und ersetzen sie durch einen Zellkern aus den Eierstock-Zellen. Mit Hilfe von Chemikalien wurde dann die Zellteilung beschleunigt, so dass die Wissenschaftler 30 Blastozyten erhielten, fünf Tage alte Embryonen, die aus nur 100 Zellen bestehen. Insgesamt 20 Blastozysten wurde danach die innere Zellmasse entnommen. Die gewonnenen Zellen enthalten die selbe Erbsubstanz wie die der jeweiligen Spenderin.

In den Pressemeldungen wurde die Zahl der entwickelten Stammzelllinien verschwiegen: Nur eine einzige! D.h. die Erfolgsrate liegt von der Eizelle bis zur generierten Stammzelllinie bei 0.4%. Der Aufwand ist also enorm! (Siehe Mitteilung der AAAS) Hinzu kommt die Besonderheit, dass die Eizelle und der Zellkern jeweils von der selben Frau stammten. Die genetische Übereinstimmung zwischen Eizelle und Zellkern könnte also nicht grösser sein.

Das Team um Woo Suk Hwang hatte in den vergangenen Jahren verschiedentlich durch seine Klonversuche Aufsehen erregt und war nicht davor zurückgeschreckt auch Mensch-Tier-Embryonen zu erzeugen.

Sowohl in der Kulturschale als auch nach der Übertragung auf Mäuse begannen sich die Stammzellen in Muskel- und Knochengewebe zu differenzieren. Das Team will nun untersuchen, wie die Zellen angeregt werden können, spezielle Gewebearten zu bilden.

Noch kein Beweis für das sogenannte therapeutische Klonen

Der Stammzellenforscher Rudolf Jaenisch vom Whitehead Institute in Massachusetts erklärte gemäss BBC News, die Arbeit in Südkorea erbringe den lange erwarteten Beweis, dass therapeutisches Klonen möglich sei. Dieser Kommentar ist irreführend. Dem Team ist erst die Produktion von Stammzellen aus geklonten Embryonen gelungen. Von diesem Ergebnis bis zur Produktion des gewünschten Zelltyps und der erfolgreichen Transplantation von Gewebe ist noch ein gewaltiger Schritt. Erst nach diesem Schritt wäre der Beweis erbracht, dass sogenanntes therapeutisches Klonen funktioniert.

Der Chefredaktor der Zeitschrift Science kommentierte die Ergebnisse zwar positiv, erklärte dazu aber, dass es noch Jahre dauern werde, bis embryonale Stammzellen für die Transplantationsmedizin gebraucht werden könnten.

Publikation ist von grossem Interesse für jene, die reproduktiv klonen wollen

Selbstverständlich geben die publizierten Ergebnisse der Südkoreaner den Reproduktionsmedizinern Zavos, Antinori usw. wichtige Informationen, wie sie ihre Technik zur Zeugung überlebensfähiger und damit übertragbarer geklonter Embryos verbessern könnten. Die Wissenschaftler können jetzt noch so beteuern, sie würden die Anwendung der Technik zur Reproduktion des Menschen ablehnen, ihre Ergebnisse werden mit Sicherheit zu diesem Zweck genutzt werden. Das lässt sich nicht verhindern, wobei zugleich gesagt werden muss, dass bisher zu wenig dazu unternommen wurde (z.B. UN-Klonverbot).