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Neue Klonversuche: wissenschaftlich sinnlos und ethisch verantwortungslos

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09.10.2011 / New York, USA
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Forscher am New York Stem Cell Foundation Laboratory haben im Journal Nature eine Arbeit über das Klonen menschlicher Embryonen zur Produktion embryonaler Stammzellen publiziert. Der NewScientist titelte darauf: "World's first cloned human embryonic stem cells." Das ist völlig falsch. Es wurde zwar eine Klontechnik mit Zellkernen von Diabetespatienten angewandt. Weil aber das weibliche Erbgut bei den verwendeten Eizellen nicht entfernt wurde, wurden abnormale Embryonen mit drei statt zwei Chromosomensätzen erzeugt. Für therapeutische Zwecke kommen solche Stammzellen nicht in Frage. Nicht nur die Experimente, sondern auch die dazu notwendige Eizellspenden sind ethisch verwerflich. 

Die Forscher haben bei ihren Klonexperimenten, die sie im Journal Nature publiziert haben, verschiedene Versuche durchgeführt. Darunter waren auch 31 Zellkerntransfers, bei denen die Erbinformation der Eizelle zuvor entnommen wurden.  Auch Parthenoten wurden erzeugt und eine Stamzelllinie daraus generiert. Das "erfolgreichste" Experiment war der Zellkerntransfer, bei denen die Eizelle zuvor nicht "entkernt" wurde. Damit wiesen die resultierenden Embryonen nicht 46 Chromosomensätze, sondern 69 auf. Folglich sind es auch keine Klone, denn ihr Ergut unterscheidet sich extrem von jenem der verwendeten Zellkerne. Dass die generierten zwei Stammzelllinien ohne therapeutischen Wert sind, liegt auf der Hand. Sie würden die für embryonale Stammzellen typischen Abstossungsreaktionen auslösen.

Eizellspenden wurde bezahlt!

Wie das Forscherteam in einem Brief an das Journal Cell Stem Cell schreibt, suchten sie zunächst vergeblich freiwillige Eizellspenderinnen für ihr Forschungsprojekt. Erst nachdem sie sich an Frauen wandten, welche sich bereits zu einer Eizellspende entschieden hatten und diese mit 8'000 $ entschädigten, kamen sie zu den nötigen Eizellen. Für die publizierten Experimente wurden 270 Eizellen von 16 Spenderinnen verwendet. Nach den Richtlinien der National Adademy of Science (NAS) dürfen für die Stammzellenforschung Eizellspenden entgegen genommen werden, wenn sie ohne Geldentschädigung erfolgen. Im Zusammenhang mit der In-vitro-Fertilisation werden in den USA den Eizellspenderinnen gemäss der American Society for Reproductive Medicine (ASRM) 5'000 bis 8'000 $ entschädigt. Das Forschungsteam möchte nun diese Praxis auch auf die Forschung mit Eizellen ausweiten inkl. Klonversuche.

Nature soll die Publikation zurückziehen!

Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb das Journal Nature diese wissenschaftlich sinnlosen und ethisch verantwortungslosen Experimente überhaupt publiziert hat. Die Publikation hat nur einen Sinn: Nämlich die National Academy of Science unter Druck zu setzen und eine Revision ihrer Richtlinien zu erreichen. Dass sich Nature dafür einspannen lässt ist skandalös. Daher muss Nature die Publikation umgehend zurückziehen. Ausserdem sollten alle verfügbaren Mittel eingesetzt werden, damit das betreffende Forscherteam zur Rechenschaft gezogen wird. Andernfalls muss befürchtet werden, dass Frauen für die Forschung instrumentalisiert werden und Forscher beliebige Experimente mit Eizellen durchführen können, wenn sie nur über genug Geld verfügen.


Quelle/Links:

Noggle S., Fung H.L., Gore A., Martinez H., Satriani K.C., Prosser R., Oum K., Paull D., Druckenmiller S., Freeby M., Greenberg E., Zhang K., Goland R., Sauer M.V., Leibel R.L., Egli D., Human oocytes reprogram somatic cells to a pluripotent state. Nature 478 (2011) 70-75.

Kommentar: Cyranoski David, Cloned human embryo makes working stem cells. naturenews 5. Okt. 2011.

Egli D., Chen A.E., Saphier G., Powers D., Alper M., Katz K., Berger B. Goland R., Leibel R.L., Melton D.A., Eggan K., Impracticality of Egg Donor Recruitment in the Absence of Compensation. Cell Stem Cell 9 (2011) 293-294.

Gallagher James, Human 'cloning' makes embryonic stem cells. BBC 5. Okt. 2011.

Aldhous Peter, World's first cloned human embryonic stem cells. NewScientist 5. Okt. 2011.

Rehder Stefan, Die Rückkehr der Klonkrieger. Die Tagespost 7. Okt. 2011.

Pressetext, Klonen schafft embryonale Stammzellen aus Haut. www.pressetext.com vom 8. Okt. 2011

"Women who undergo hormonal induction to generate oocytes specifically for research purposes (such as for NT) should be reimbursed only for direct expenses incurred as a result of the procedure, as determined by an IRB. Direct expenses may include costs associated with travel, housing, child care, medical care, health insurance, and actual lost wages. No payments beyond reimbursements, cash or in-kind, should be provided for donating oocytes for research purposes. Similarly, no payments beyond reimbursements should be made for donations of sperm for research purposes or of somatic cells for use in NT." (Final Report of the National Academies' Human Embryonic Stem Cell Research Advisory Committee and 2010 Amendments to the National Academies' Guidelines for Human Embryonic Stem Cell Research , Appendix C, Page 27 3.4(b) Payment and Reimbursement)
Kategorie: Klonen (allgemein)

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