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Menschenklon aus Hautzelle — Was ist eigentlich ein Durchbruch?

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18.01.2008 / Kalifornien, USA
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Und schon triumphieren und feiern sie wieder, die Anhänger des sogenannten therapeutischen Klonens und der Forschung mit embryonalen Stammzellen. Es sei ein Durchbruch erzielt worden, weil mittels Nukleustransfer aus einer Hautzelle eines Mannes und einer entkernten Eizelle geklonte Embryonen bis ins Blastozyststadium entwickelt werden konnten. Im April 2007 wurde die Studie bei der Fachzeitschrift "Stem Cells" eingereicht, am 7. Januar 2008 definitiv akzeptiert. Hätten die Forscher in der Zwischenzeit embryonale Stammzellen aus den geklonten Embryonen entwickelt, hätten sie das garantiert in der Publikation geschrieben. Von Durchbruch kann keine Rede sein.

Es ist ganz einfach deswegen kein Durchbruch, weil Stojkovic ein ähnliches Ergebnis bereits im Jahr 2005 publizierte. Nur transferierte er Zellkerne aus einer embryonalen Stammzelllinie, was in Bezug auf Tierversuche erfahrungsgemäss einfacher ist. Die Forscher sind aber nach wie vor etliche Schritte von einer Anwendung des sogenannten therapeutischen Klonens entfernt.

  1. Im Tierversuch ist noch nie von A bis Z, d.h. vom geklonten Embryo bis zur erfolgreichen Therapie durch ein Transplantat, nachgewiesen worden, dass therapeutisches Klonen überhaupt funktioniert.
  2. Es gibt bisher noch keine embryonalen Stammzellen aus menschlichen geklonten Embryonen.
  3. Die Neigung von embryonalen Stammzellen Tumore zu bilden, wird auch bei Stammzellen aus geklonten Embryonen vorhanden sein. Dieses Problem blieb bisher ungelöst.
  4. Aus Tierversuchen ist bekannt, dass viele Gene bei geklonten Embryonen fälschlicherweise ein- oder ausgeschaltet sind. Es ist noch völlig unklar, wie sich Zellen/Gewebe aus solchen Embryonen im Körper verhalten.

Was ist ein Durchbruch?

Das Wort Durchbruch kommt aus dem Tunnelbau. Es wird von Durchbruch gesprochen, wenn die Tunnelbauer sich in der Mitte treffen. Alles stimmt, es muss nur noch das restliche Material aus dem Tunnel geschafft werden.

Um das Bild nun auf die Embryonenforschung bzw. das therapeutische Klonen zu übertragen: Die erfolgreiche Entwicklung einer Blastozyste nach Transfer eines Zellkerns einer Hautzelle eines erwachsenen Menschen in eine entkernte Eizelle ist einfach eine erfolgreiche Sprengung - mehr nicht. Da im Tierversuch noch kein kompletter Nachweis für das Funktionieren des therapeutischen Klonens erbracht worden ist, besteht die Gefahr, dass hier lediglich - blidlich gesprochen - verpuffte Gase und weggeschleuderte Steine gefeiert werden. Um beim Bild des Tunnelbaues zu bleiben. Wenn regelmässig bei jeder Sprengung Menschen ums Leben kämen, würde nicht mehr gefeiert, sondern getrauert. Bei den in "Stem Cells" beschriebenen Versuchen wurden 29 Embryonen geklont, woraus sich 5 Blastozysten entwickelten. Die 29 Embryonen wurden gezeugt, um dann zum Zweck der Forschung näher untersucht und für die Stammzellengewinnung verwendet, sprich getötet zu werden. Das ist ein Vorgang, der ethisch völlig inakzeptabel ist und daher nicht gefeiert, sondern betrauert werden muss.

Durchbrüche gibt es bei adulten Stammzellen

Das "therapeutische Klonen" ist nicht nur angesichts des hohen Eizellenverbrauchs mit der Gefahr der Ausbeutung von Frauen ein völlig wahnwitziges Unterfangen. Da mit adulten Stammzellen in der letzten Zeit etliche therapeutische Erfolge erzielt wurden und die neu entdeckten induzierten pluripotenten Stammzellen zusätzliche Möglichkeiten versprechen, befinden sich die Forscher, welche auf das "therapeutische Klonen" setzen, wohl im falschen Berg. Sie verschleudern Ressourcen und auch Steuergelder, die anderswo nutzbringend eingesetzt werden könnten und vor allem die Erfolge mit adulten Stammzellen beschleunigen könnten.

 


Quelle/Links:

French A.J., Adams C.A., Anderson L.S., Kirchen J.R., Hughes M.R., Wood S.H., Development of Human cloned Blastocysts Following Somatic Cell Nuclear Transfer (SCNT) with Adult Fibroblasts: Stem Cells 17, Jan. (2008) http://stemcells.alphamedpress.org/cgi/content/abstract/2007-0252v1.

Stojkovic M., Stojkovic P., Leary C., Hall V.J., Armstrong L., Herbert M., Nesbitt M., Lako M., Murdoch A., Derivation of a Human Blastocyst After Heterologous Nuclear Transfer to Donated Oocytes: Reprod Biomed Online 11 (2005) 226-231.

Kategorie: Klonen (therapeutisch)

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