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Abgestandene Luft neu aufgeheizt: Stammzellen ohne Embryonenvernichtung

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14.01.2008 / Worcester, USA
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Forscher der Firmen Advanced Cell Technology und StemLifeLine behaupten in einer Publikation in der Fachzeitschrift (Cell Stem Cell) erneut, sie könnten embryonale Stammzelllinien erzeugen, ohne menschliche Embryonen vernichten zu müssen. Einmal mehr stellt sich dies als heisse Luft heraus. Schon 2006 behaupteten sie in „Nature“ das gleiche, mussten aber nach heftiger Kritik ihre Resultate sehr relativieren. Die Sorge der Forscher gilt mehr den Aktienkursen ihrer Firmen als den Embryonen, die nach wie vor - auch mit der neuen Methode - nicht ihrer innewohnenden Würde entsprechend behandelt werden.

Beim Verfahren, das die Forscher beschrieben, wurden tiefgefrorene befruchtete Eizellen (im Vorkernstadium) aufgetaut und bis ins Achtzellstadium entwickelt. Dann wurde dem Embryo eine einzelne Zelle entnommen, wie das auch bei der Präimplantationsdiagnostik geschieht. Allerdings wurde diese Blastomere nicht für eine Diagnose verwendet, sondern weiter kultiviert und zwar bis ins Blastozyststadium. Im Grund genommen handelt es sich bei dem Verfahren um einen Klonvorgang durch Embryosplitting. Aus dieser Blastozyste wurde, wie sonst bei der Gewinnung von embryonalen Stammzellen, die innere Zellmasse entnommen und zu einer Stammzelllinie kultiviert. Im Grunde wurde aus dem Embryo durch Embryosplitting ein Klon erzeugt, der dann zur Gewinnung der embryonalen Stammzelllinie vernichtet wurde. Die Behauptung, es erfolge keine Embryonenvernichtung ist schon einmal aus diesem Gesichtspunkt her falsch.

Das Verfahren löst keine bisherigen Probleme mit embryonalen Stammzellen

Alle bisherigen nicht gelösten Probleme, die embryonale Stammzellen mit sich bringen, haften auch dem vorgestellten Verfahren an:

  • Würden aus diesen embryonalen Stammzellen gezüchtetes Gewebe oder Zellen in einen Patienten transplantiert, wären Abstossungsreaktionen durch das Immunsystem zu erwarten.
  • Embryonale Stammzellen neigen zur Tumorbildung
  • Bisher existiert noch keine einzige erfolgreiche Therapie mit Hilfe von embryonalen Stammzellen.
Embryonale Stammzelllinie für ein Baby, das durch IVF gezeugt wurde?

Am Schluss Ihrer Publikation erklären die Forscher, das Verfahren könnte auch in der IVF-Klinik angewandt werden. Statt einer Präimplantationsdiagnostik würde den Embryonen, die für einen Transfer in die Gebärmutter vorgesehen sind, im Achtzellstadium eine Zelle entnommen und diese dann in eine Stammzelllinie entwickelt. Wahrscheinlich würde dann abgewartet, bis beide das Blastozyststadium erreichen. Jene Embryonen, bei denen sich die entnommene Zelle nicht wie gewünscht zur Blastozyste entwickelten, würden wohl gegenüber den anderen Embryonen benachteiligt und gar nicht mehr für einen Embryotransfer verwendet. Da die Erfolgsquote für die Entwicklung einer Stammzelllinie aus einer einzelnen Blastomere bei 20 bis 50% liegt, ist klar, dass 80 bis 50% der erzeugten Embryonen gar nicht mehr für einen Transfer in die Gebärmutter in Frage kämen und deshalb früher oder später vernichtet würden. Bleibt noch hinzuzufügen, dass die 50%-Erfolgsquote gemäss dem Supplement der Publikation auf äusserst dürftigem Zahlenmaterial basiert, nämlich mit nur gerade zwei (sic) Embryonen erzielt wurde. Die 20%-Quote wurde mit 15 Embryonen erzielt. Wenn die Reproduktionsmediziner ganz sicher gehen wollten, dass von jenen Embryonen, die transferiert werden, tatsächlich eine embryonale Stammzelllinie existiert, müssten die Embryonen im Blastozyststadium eingefroren werden, bis das Resultat der Stammzellgewinnung vorliegt. Das Verfahren ist somit nicht nur ethisch völlig inakzeptabel sondern äusserst aufwendig ohne Aussicht, dass es überhaupt für das später geborenen Kind von einem therapeutischen Nutzen sein wird.


Quelle/Links:

Chung Y., Klimanskaya I., Bekcer S., Li T., Maserati M., Lu S.-J., Zdravkovic T., Ilic D., Genbacev O., Fisher S., Krtolica A., Lanza R., Human Embryonic Stem Cell Lines Generated without Embryo Destruction: Cell Stem Cell 2. Feb. (2008) 1-5. (momentan im Volltext) Supplement (wichtig).

Klimanskaya I., Chung Y., Becker S., Lu S.-J., Lanza R., Human Embryonic Stem Cell Lines Derived from Single Blastomeres: Nature 444, 23. Nov. (2006) 481-485. Addendum: Nature 444,  23. Nov. (2006) 512: Zitat: „In our Letter, we showed that human embryonic stem-cell lines can be generated from a single cell after its removal from an 8–10-cell embryo. To minimize the number of embryos used, we removed multiple cells from each embryo, and none of the biopsied embryos were allowed to develop in culture.“ Corrigendum: Nature 446, 15. März (2007) 342.
Kategorie: Stammzellen (embryonale)

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